Existenzgründung
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Kein Berg ohne Tal

Warum es gut ist, das Scheitern zu entdramatisieren

Wer läuft schon gerne mit dem Kopf vor die Wand? Wer möchte sich selbständig machen und pleite gehen? Wer will der Welt verkünden, eine tolle Geschäftsidee zu haben – die sich dann doch nicht realisieren lässt? Wir Deutschen sind ein Volk der Misserfolgsvermeider. Am liebsten möchten wir immer gewinnen. „Jeder Schuss ein Treffer” – so hätten wir’s gerne.

Doch leider entspricht dies nicht der Lebenserfahrung. Wer eigene Weg gehen will und sichere Pfade verlässt, landet schon mal im Dickicht und muss erkennen, dass er/sie in die falsche Richtung gelaufen ist. Da hilft nur umdrehen und es neu versuchen.

Ein Risiko bleibt immer

Aber ist es nicht möglich, durch gute Vorbereitung, durch gründliches Überlegen und Abwägen Fehler zu vermeiden? Sollten Experten Sie nicht davon abhalten, Zeit, Energie und vielleicht Geld in Projekte zu stecken, die am Ende schief gehen? Ist es nicht gut, erst dann zu handeln, wenn man sicher weiß, dass der Erfolg garantiert ist? Natürlich: Sie können Risiken abschätzen und Gefahren minimieren. Sie können möglichst Vieles bedenken. Und doch: In welche Richtung Sie schauen – Sie können nicht den ganzen Weg überblicken: ein Risiko bleibt immer.

Leider müssen Sie handeln unter Ungewissheit. Jede Gründung ist neu; jede Geschäftsidee ein bisschen verschieden; jede Gründerin ist anders. Sich selbständig zu machen und ein Unternehmen zu führen, heißt, ausgetretene Pfade mit Wanderkarte zu verlassen und sich eigene Wege zu suchen. Selbst wenn Sie einen Weg gehen, den schon jemand vor Ihnen gegangen ist – so gehen Sie ihn auf Ihre Art und Weise. Selbst dann können Sie sich des Erfolgs nicht 100% sicher sein – allenfalls Mut schöpfen, dass es überhaupt möglich ist.

Scheitern erlauben

Was dann? Sitzen bleiben oder es einfach versuchen? Sich der Gefahr stellen, dass Sie irren, dass Sie ein Stück zurückgehen oder von vorne anfangen müssen? Irgendwann müssen Sie sich ein Herz fassen und losgehen. Denn sonst bleiben Sie am Ende sitzen und machen gar nichts. Sie grübeln so lange über den perfekten Weg nach, dass Sie gar nicht losgehen.

Das klingt absurd? Sie glauben gar nicht, wie viele Menschen ich kenne, die seit Jahren und Jahrzehnten immer wieder mit dem Gedanken spielen, sich selbständig zu machen, die in ihrem Job immer unzufriedener werden und es nicht schaffen loszugehen. Zu groß ist die Angst davor, dass es schief gehen könnte.

Hauptsache, Sie gehen irgendwohin

Ist dies nicht ein Scheitern auf Raten? Wer scheitert letztlich mehr: Die, die anerkennen muss, dass ihr Vorhaben nicht geklappt hat und sich deshalb nach Plan B umsehen muss? Oder die, die gar nicht erst losgelegt hat und ihr Leben lang grübelt, wie schön es doch vielleicht hätte sein können?

Die Kehrseite des Erfolgs ist die Möglichkeit des Scheiterns. Und wenn wir ganz sicher nicht scheitern wollen, sind wir voraussichtlich auch nicht erfolgreich. Wollen wir handlungsfähig sein, müssen wir auch das Scheitern entdramatisieren. Wir brauchen eine Kultur des Ausprobierens. Ein Klima, das den Versuch belohnt – nicht nur den Erfolg. Denn nicht alles gelingt auf Anhieb.

Das bedeutet nicht, einfach blind loszulaufen. Jede Warnung in den Wind zu schlagen und sich als ungeübter Wanderer gleich auf Bergtour zu begeben. Im Gegenteil: Je geringer Sie das Risiko halten können, desto leichter ist es für Sie, einfach loszulegen, etwas auszuprobieren und einfach zu gucken, ob es funktioniert. Natürlich ist es klug, Risiken auszuschalten, sich gründlich vorzubereiten, erfahrene Begleiter zu suchen, Übungstouren zu machen und nicht mit dem schwierigsten Pfad zu beginnen.

Hauptsache, Sie bleiben nicht mitten auf der Kreuzung sitzen.

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