Psychologie
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Geld in Beziehungen

Geld in Beziehungen

Meine Mutter kam aus einer verhältnismäßig wohlhabenden Familie; mein Vater war durch den Krieg entwurzelt und ein armer Schlucker. Im Laufe ihrer Beziehung drehte sich der Spieß um: Mein Vater machte Karriere und verdiente gut; meine Mutter war „Nur-Hausfrau“ und Mutter. Ohne eigenes Einkommen.

Hat das in ihrer Beziehung eine Rolle gespielt? Ja, eine große. Meine Mutter bekam Haushaltsgeld zugeteilt und musste im Zweifelsfall Rechenschaft ablegen, wofür sie Geld ausgeben wollte. Mein Vater hatte immer das Gefühl, das Geld zusammen halten zu müssen. Verständlich, da er im Krieg erlebt hatte, buchstäblich alles zu verlieren.

Eigenes, selbst verdientes Geld, so meine Erfahrung damals, bedeutet Unabhängigkeit und Macht in einer Beziehung.

Alte neue Rollen-Modelle

Heute erlebe ich Frauen und Männer zwischen altem und neuem Rollen-Modell – einerseits mit dem Anspruch, finanziell unabhängig zu sein und Haus- und Erziehungsarbeit paritätisch zu teilen. Andererseits schlägt die Wirklichkeit der gesellschaftlichen Arbeits- und Betreuungsmöglichkeiten den Frauen und Männern ein Schnippchen, spätestens, wenn Kinder da sind – es wird ihnen nicht gar nicht so leicht gemacht, alles unter einen Hut zu bringen und so manches Paar findet sich in einem Beziehungsmodell wieder, in dem sie nie landen wollten.

Nicht nur äußere Rahmenbedingungen sorgen dafür, dass so manches Paar sich in alten Verhältnissen wieder findet. Kommen Kinder, so entdeckt so manche Frau in sich sehr alte Gefühle und Wünsche nach Versorgt-Werden, nach Zuhause bleiben und Konzentration auf die Mutter-Rolle. Und so mancher Mann sieht seine Haupt-Aufgabe auf einmal darin, die Familie zu ernähren.

Bindung bringt gemeinsame Entscheidungen mit sich

Gemeinsame Kinder, Anschaffungen, Haus-Kauf, Urlaube – je stärker sich ein Paar aufeinander einlässt und aneinander bindet, desto mehr geht es darum, auch finanzielle Entscheidungen miteinander zu treffen:

  • Wer bringt welche Mittel mit in die Partnerschaft und wer hat welches Verfügungsrecht über das Eingebrachte?
  • Teilen wir alles oder behält jeder seins?
  • Wie finanzieren wir Gemeinsames?
  • Haben wir gemeinsame Konten oder eigene?
  • Wofür wird Geld ausgegeben? Wo hört das Verständnis für die Ausgaben des anderen auf?
  • Wie viel Geld gehört auf die hohe Kante und was kann verbraucht werden?
  • Wer arbeitet wie viel?

Kein Wunder, dass in Partnerschaften sehr viel über Geld gestritten wird. 2 von 3 Paaren zanken sich regelmäßig über Geld, so die wissenschaftliche Forschung. Gestritten wird quer durch alle Einkommensklassen. Wer denkt, wer über genug Geld verfügt, hat es nicht nötig, darum zu streiten, der irrt sich. Unterschiedliche Geldstile, Werte und gegenseitige Abhängigkeiten sorgen auch da für Zunder, wo eigentlich genug da ist.

Meist geht es eigentlich um etwas anderes

Meist geht es nicht um das Geld selbst, wenn um Geld gestritten wird:

  • Es geht um fehlende Wertschätzung und Anerkennung für den eigenen Beitrag. Sei es die Tatsache, dass man jeden Tag los geht und sich zu einer vielleicht nicht immer besonders geliebten Arbeit zwingt, um für alle genügend Geld zu erwirtschaften. Sei es, dass man gerade die unbezahlte Arbeit in der Familie leistet und allen anderen den Rücken frei hält.
  • Es geht um Freiheit und Macht; um die Frage, wessen Bedürfnisse welche Rolle spielen, wer sich durchsetzen kann mit den eigenen Wichtigkeiten
  • Es geht um tief verwurzelte Ängste und Hoffnungen. Wenn die neue Sofa-Ecke oder das Auto zwar über die eigenen finanziellen Verhältnisse gehen, doch aller Welt beweisen sollen, dass man es geschafft hat
  • Es geht um Werte. Gilt die eigene Arbeit als Engagement FÜR die Familie oder DAGEGEN? Zählt das hierdurch erwirtschaftete Einkommen als Beitrag für die Gemeinschaft oder im Gegenteil als egoistisches Sich nur um sich selbst kümmern?

Sicher ist: dass zwei ähnlich mit Geld umgehen, gleiche Einstellungen und Werte haben, ist eher unwahrscheinlich. Unterschiedliche Prioritäten und Geld-Erfahrungen sind die Regel und nicht die Ausnahme.

Wie ist Deine Geld-Geschichte?

Haltungen gegenüber dem Geld sind selten bewusst gelernt, sondern Ergebnis von Kindheits-Erfahrungen. Diese haben unseren Stil im Umgang mit Geld geprägt:

  • Wofür wurde Geld ausgegeben, wofür nicht?
  • Wie gerecht ging es zu? Hatten alle gleich viel oder gab es subtile Ungerechtigkeiten?
  • Wurdest Du verwöhnt und hast die Vorstellung entwickelt, dass Dir auch etwas zusteht? Oder hast Du Enge erlebt und bist heute selbst sparsam? Oder hat Mangel in Deiner Kindheit dafür gesorgt, dass Du gerade heute das Bedürfnis hast, unbedingt genug Geld zu haben?
  • Wie sehr war Streit um Geld an der Tagesordnung?
  • Wie konstruktiv wurden Geld-Verhandlungen ausgetragen?

Dich mit Deiner Geld-Geschichte zu beschäftigen, hilft Dir, besser zu verstehen, worauf Deine Werte und Verhaltensweisen gründen, warum es für DICH selbstverständlich ist, Dinge so und nicht anders zu tun. Die Geld-Geschichte Deines Partners oder Deiner Partnerin zu kennen, hilft Dir, sein oder ihr Verhalten einzuordnen und zu verstehen. Es hilft, anzuerkennen, dass Verhalten heute immer gute Gründe hat – nur liegen diese vielleicht in der Vergangenheit verborgen.

Verhandeln

Das bedeutet nicht, alles kritiklos hinzunehmen. Je größer die gegenseitige Abhängigkeit durch gemeinsame emotionale und materielle Verpflichtungen ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich unterschiedliche Sichtweisen und Ressourcen zu potentiellem Konfliktstoff türmen. Was hilft: REDEN. Zur Not mit Begleitung, wenn sich die Standpunkte zu sehr verknotet haben.

Reden nicht um des Redens willen, sondern um die Haltung des Partners/der Partnerin kennen zu lernen und die Hintergründe zu verstehen. Reden, um Kompromisse auszuhandeln. Reden, um Regelungen zu finden, die der jetzigen Situation gerecht werden. Das kann bedeuten, das gemeinsame Konten-Modell zu ändern, weil beide festgestellt haben, dass es ihnen wichtig ist, über eigenes Geld zu verfügen. Das kann genauso bedeuten, endlich ein gemeinsames Konto einzurichten, um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass vieles längst gemeinsam finanziert wird.

Reden hilft

Ergebnis von Reden kann sein, Du leistest Dir dieses Hobby, ich jenes; Dir ist dieser Luxus wichtig, mir etwas anderes.

Hilfreich ist, eine Konstruktion zu finden, die beiden Verfügungsrechte über eigenes Geld gibt und für Gerechtigkeit sorgt. Ungleichheiten offen zu thematisieren und für ausgewogene Macht-Verhältnisse zu sorgen, sorgt für Augenhöhe in Beziehungen.

Unterschiede werden bleiben – „Wie, dafür gibt er Geld aus? So viel kostet ihr…..?“ – ausgetragen aber können die im Umgang mit Geld verborgenen Werte- und Gefühls-Konflikte. Je mehr Verständnis generell füreinander da ist, desto besser lassen sich die Unterschiede aushalten.

www.berufswegberatung.de

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