Gründen, Lust, Nützliches
Kommentare 1

Wer geht gerne zu Visitenkartenpartys?

Oder: Wie geht gutes Netzwerken?

Vor einigen Wochen waren ich in Haus Marck; das ist ein Wasserschloss südlich von Tecklenburg. Eingeladen hatte die Hausherrin, Ricarda von Diepenbrock-Grüter im Rahmen eines Unternehmerinnen-Frühstücks der IHK-Frauen. Ein wunderschöner Ort. Nette Frauen. Ein tolles Buffet. In der Sonne sitzen, plaudern und ins Grün und auf die Gräfte schauen. So gefällt mir Netzwerken. Ich liebe es, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden.

Es gibt so viele Veranstaltungen, Vorträge, Seminare und Netzwerk-Treffen. Soll man überall hingehen? Oder nur zu den „nützlichen“? Aber welche sind das? Wie geht produktives Netzwerken?

Ich habe irgendwann beschlossen, dass ich nicht überall sein kann – dann käme ich nämlich nicht mehr zum Arbeiten. Also suche ich mir die raus, die mich interessieren und bei denen ich mich wohl fühle. Frei nach dem Motto: Wenn es mir gut geht und die Energie fließt, dann passt auch was.

Was macht das eine Netzwerk-Treffen angenehm, das andere nicht? Warum sind die Visitenkartenpartys bei den meisten so unbeliebt?

Da kommen einige Punkte zusammen: Wenn Du zu einer solchen Veranstaltung geht, möchtest Du Kontakte knüpfen. Doch vielleicht geht es Dir wie vielen anderen und es fällt Dir nicht leicht, auf andere zuzugehen und von Dir aus ein Gespräch zu beginnen. Du weisst nicht, was Du sagen und wie Du in Kontakt kommen sollst. Du fühlst Dich vielleicht noch unsicher in Deiner Rolle als GründerIn oder UnternehmerIn. Du hast Sorge auf Desinteresse und Ablehnung zu stoßen – denn scheinbar kennen sich ja alle anderen und nur Du fühlst Dich als Neuling. Oder Du gehst gar nicht erst hin, weil Du Angst hast, niemanden zu kennen und nicht blöd in der Gegend umstehen willst, ohne mit jemandem zu sprechen. Oft weißt Du einfach nicht, was Dich erwartet und auch das trägt zu Unbehagen bei. Es könnte nett sein, aber Du weißt nicht, welcher Rahmen Dich erwartet…

Kontakt-Anlässe

Vorstellungsrunden lösen bei vielen ambivalente Gefühle aus. Einerseits schaffen sie die Gelegenheit, Dich und Dein Unternehmen vorzustellen – was Du ja vermutlich willst – andererseits den Druck, das optimal, souverän, interessant und gewinnend zu tun, was wiederum vielen nicht leicht fällt.

Leichter ist es für viele, wenn der Veranstalter zum Austausch einlädt oder Gelegenheiten schafft, sich in kleiner Runde gegenseitig vorzustellen. Dann muss der Impuls zur Kontaktaufnahme nicht von Dir selbst kommen und Du musst nicht großer Runde von Dir erzählen, lernst aber trotzdem Leute kennen. Der Referent bittet Dich, Dich kurz mit Deinem Nachbarn zum Vortragsthema auszutauschen? Super – jetzt darfst und sollst Du ja sogar mit einem wildfremden Menschen sprechen. Das kostet zwar auch ein bisschen Überwindung, ist aber erheblich leichter, als von sich aus die Initiative zu ergreifen.

Wie kannst Du das Netzwerken für Dich leichter machen?
1. Geh zu netten Veranstaltungen

Du hast das Gefühl, Du solltest hier und da hingehen? Es gibt sicher Veranstaltungen und Kontexte, die für Dich nützlich sind und zu denen Du gehst, auch wenn sie nicht nett, sondern steif und bedrohlich sind. Dann hilft’s Dir nichts. Trainiere. Manches wird besser, wenn Du öfter hingehst und Dir der Rahmen vertrauter wird.

Ansonsten such Dir die Veranstaltungen aus, die Dir gefallen. Die Chance, dass Du hier auf Gleichgesinnte triffst, ist erheblich größer, als wenn Du Dich auf steife Pflichtveranstaltungen zwingst, bei denen Du Dich nicht wohl fühlst und die Zähne nicht auseinander kriegst.

2. Trau Dich, auf Menschen zuzugehen

Gibt es von Seiten des Veranstalters keinerlei Struktur, die zum Miteinander und zur Kommunikation einlädt, ist Eigeninitiative gefragt. Sonst gehst Du am Ende nach Hause und hat bestenfalls die gesprochen, die Du eh schon kennt. Das kann zwar sehr nett sein, ist aber auch schade. Denn Du verpasst die Gelegenheit, interessante neue Kontakte zu knüpfen.

Also heißt es, auf Menschen zuzugehen, sie konkret anzusprechen, Gemeinsamkeiten zu suchen, Gelegenheiten wie das Nebeneinander sitzen oder stehen zu nutzen, um sich kurz vorzustellen und den anderen zu fragen, warum er da ist, was er macht. Du kannst auf den Vortrag Bezug nehmen oder eine inhaltliche Frage stellen. Meist sind auch die anderen dankbar, wenn sie angesprochen werden. Und wenn sich kein ausführlicheres Gespräch ergibt, ist meist auch nichts Schlimmes passiert.

3. Suche Mitstreiter

Eine Möglichkeit, es Dir leichter zu machen, ist, andere zu fragen, ob Ihr zusammen los geht. Vorsicht: Die Gefahr besteht bei dieser Strategie daran, dass Ihr zusammen hockt und steht und niemand Neues kennen lernt, sondern ein gemeinsames Bollwerk bildet. Ausschwärmen ist gefragt.

4. Trainiere das, was Dir schwer fällt

Du findest Vorstellungsrunden grauslich? Üben hilft. Je besser Du weißt, was Du sagen willst, desto leichter fällt Dir die Situation. Verzeih Dir, wenn Deine Vorstellung am Anfang sub-optimal ausfällt. Je öfter Du trainierst, desto leichter wird es Dir fallen, von Dir zu erzählen. Vorstellungsrunden zu meiden, ist der sichere Weg, den inneren Stress zu behalten. Wie bei allem im Leben macht Übung den Meister.

5. Nütze Gelegenheiten

Kürzlich – ich war schon ein bißchen spät dran auf dem Weg zu einer Veranstaltung – traf ich einen jungen Mann auf der Treppe und wir stellten  fest, dass wir den gleichen Raum suchten. Da drehte er sich einfach zu mir um, lächelte mich an, streckte mir die Hand hin und sagte: „Ich bin Marc“. Ich war beeindruckt – die einfachste Form des Aufeinander zugehens… –  aber zwischen uns war Kontakt geschaffen. Wir saßen bei der Veranstaltung nebeneinander und die Basis für ein nettes Gespräch war geschaffen.

1 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.