Selbständig, Trends
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Schneller, höher, weiter…

Eigentlich läuft es doch ganz gut. Gemessen an dem, was Sie sich mal vorgenommen hatten, sind Sie erfolgreich. Wichtige Ziele sind erreicht. Sie können von Ihrer Selbständigkeit leben. Sie haben erste Aufträge…

Doch dann sprechen Sie mit einem Kollegen und stellen fest: Er kann bei seinen Kunden viel höhere Honorare durchsetzen als Sie. Oder Sie sehen, dass ein wichtiger Mitbewerber es geschafft hat, einen Kunden zu gewinnen, bei dem Sie gerne landen wollten. Sie stellen fest, dass andere weiter sind, sich offensichtlich besser vermarkten können, selbstbewusster verhandeln oder interessante neue Angebote haben.

Machen Sie etwas falsch? Neid steigt in Ihnen hoch. Sorge.
Agieren Sie am Markt vorbei? Werden Sie zukünftig weniger Erfolg haben?

Die Konkurrenz im Blick

Als UnternehmerIn müssen Sie den Markt und Ihre MitbewerberInnen im Blick haben. Für Ihren unternehmerischen Erfolg ist es essentiell, wichtige Entwicklungen nicht zu verpassen:

Ihre Mitbewerber sind in den sozialen Medien aktiv – wie lange können sie es sich leisten, nicht dort zu sein? Gefühlt alle haben einen Blog – sollten Sie nicht auch bloggen? Ihre KollegInnen haben ihre Webseite überarbeitet – ist Ihre noch modern genug?

Es ist die Angst, abgehängt zu werden, die angetriggert wird. In einer Kultur des Wettbewerbs sind alle auf der Hut und schauen stets nach links und rechts, wo die anderen stehen.

Wir haben nur ein Leben

Wir leben in einer Kultur des ständigen Vergleichens. Konkurrenz, Wettbewerbe, Challenges – dauernd geht es darum, bewertet zu werden und im Vergleich mit anderen zu gewinnen. Der Preis dafür ist hoch. Welche Art Lebensgefühl erschaffen wir uns damit? Wo „Hase und Igel“ regieren, liegt das nächste Ziel bereit, kaum ist eines erreicht. Und so hetzen wir, wenn es ganz arg kommt, durch unser Leben.

Das Problem: Wir haben nur das eine. Keins in Reserve, dass wir dann genießen werden.

Inspiration durch Wettbewerb

Es gibt auch die Lust am Vorwärts schreiten, die Bewegung erzeugt. Wettbewerb kann motivierend sein und beflügeln. Der Vergleich mit anderen kann positive Entwicklung und Inspirationsquelle sein. Wenn Sie sagen: „Ich will ehrgeizige Ziele haben. Ich kenne mein Potential. Ich weiß, wo ich hin will. Und solange ich da nicht angekommen bin, will ich mich auch nicht zufrieden geben.“ – bewegen Sie sich und lernen dazu. Die Entwicklung der anderen zwingt und motiviert Sie, selbst in Bewegung zu bleiben. Das ist solange gut und in Ordnung, solange ein Tempo freudigen – inneren wie äußeren – Wachstums entsteht.

Das richtige Maß finden

Die Herausforderung ist, das richtige Maß zu finden. Für Selbständige gibt es keinen äußeren Rahmen, der definiert, was notwendig, was Minimum oder was Premium ist. Welche Maßnahmen sind nötig, um den jetzigen Erfolg zu halten? Wann sind Sie im Begriff zu verlieren? Wann sind Sie eigentlich gut aufgestellt und müßten sich keine Sorgen machen?

So mancher Laden und so manche Webseite zeigen eindrücklich, dass es UnternehmeInnen gibt, die wichtige Entwicklungen verschlafen. Von außen ist Ihnen das sofort klar. Es ist wichtig, dran zu bleiben. Erst aufzuwachen, wenn der Zug fast abgefahren ist, könnte gefährlich sein.

Sie müssen den Markt  beobachten und auf Signale angemessen reagieren. Dass Sie das getan haben, hat Sie an den Punkt gebracht, an dem Sie jetzt stehen. Aber wie viel davon ist nötig und was dürften Sie auch mal lassen?

Bei Vielen erzeugt der ständige Vergleich hektisches Schauen nach den Anderen, innere Unzufriedenheit und die ständige Sorge, überholt zu werden. Statt sich an eigenen Erfolgen zu freuen, werden diese Erfolge stets dadurch entwertet, dass scheinbar ja noch mehr geht oder gehen sollte. Man sieht es ja an den anderen.

Raus aus dem Hamsterrad – 7 Tipps

Wann sind Sie im Hamsterrad?  Was können Sie tun, um sich in einem guten Tempo zu bewegen?

  1. Überprüfen Sie – durch Blick auf Ihre Zahlen, auf den Markt, ggfs. durch Gespräche mit KollegInnen oder BeraterInnen – wo Sie stehen: Laufen Sie wirklich gerade Gefahr, wichtige Entwicklungen zu verschlafen oder ist Ihre Sorge, realistisch gesehen, unbegründet und von inneren Antreibern getriggert?
  2. Setzen Sie sich realistische Ziele und berücksichtigen Sie Ihr Zeit-Budget. Was ist wünschenswert, was steht in nächster Zeit an, was gehört auf die lange Bank?
  3. Prüfen Sie, was zu Ihnen passt. Haben Sie überhaupt Lust, einen Blog zu schreiben, oder würden andere Marketing-Maßnahmen evtl. viel besser zu Ihnen passen? Was will Ihre Zielgruppe wirklich? Überprüfen Sie Ihre erhöhten Ansprüche an sich selbst. Oder wie eine Kollegin sagte: „Wenn ich mich stylen würde wie ein Model, würde ich meine Kunden nur vom Wesentlichen ablenken. Der Anspruch, perfekt gestylt zu sein, passt weder zu mir noch zu meinen KundInnen.“
  4. Definieren Sie für sich selbst, was für Sie Erfolg ist. Klären Sie für sich, ob Sie ins „Premium-Segment“ Ihrer Branche wollen oder ob es Ihnen reicht, im Mittelfeld mitzulaufen. Seien Sie ehrlich zu sich: Ganz oben mitspielen zu wollen, hat seinen Preis – geschenkt wird Ihnen nichts. Ist es Ihnen das wert oder möchten Sie in Ihrem Leben Platz lassen für andere Bereiche und Lebensziele?
  5. Schreiben Sie auf, was Sie erreicht haben. Am besten täglich. Ergänzen Sie Ihre To Do-Liste um eine Geschafft-Liste. Machen Sie sichtbar, was Sie getan haben.
  6. Feiern Sie Erfolge. Auch Zwischen-Etappen sind es wert, gefeiert zu werden.
    Sie hatten Angst vor einer Präsentation und sie ist gut gelaufen.? Super: Belohnen Sie sich. Sie haben die neue Webseite auf den Weg gebracht? Toll! Feiern Sie. Definieren Sie Etappen-Ziele und würdigen Sie, was Sie leisten.
  7. Messen Sie sich nicht an den anderen. Messen Sie sich an Ihren eigenen Zielen. Erinnern Sie sich daran, wovon Sie früher geträumt haben, an Zeiten, als Ihnen Ihr heutiger Erfolg keineswegs selbstverständlich war. Klopfen Sie sich auf die Schulter für das, was Sie bis jetzt geschafft haben.
  8. Achten Sie auf Ihr Gefühl. Macht das, was Sie tun, noch Spaß oder fühlen Sie sich gehetzt und gejagt?

2 Kommentare

  1. Birgit Neyer sagt

    ja, sich auch mal auf die Schulter klopfen und in Verbindung zu sich selbst bleiben – das ist es wohl, worauf es ankommt. Wir alle haben nur ein Leben und das sollten wir so leben, wie es uns entspricht. So, dass die Freude überwiegt und wir im Einklang mit unseren Werten leben. Gerade Selbstständige haben hier doch viele Freiheitsgrade! Schön, wie Du das in diesem Artikel auf den Punkt bringst!

  2. Authentizität ist als Unternehmerin genauso wichtig wie Marketing, Werbung und Preisgestaltung. Danke, dass du dich des Themas annimmst. Der Fuß gehört nicht immer aufs Gaspedal, sondern genauso oft auf den eigenen Gartenweg.

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