Lust, Persönliches
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Ein Hoch auf die Unlust

Du sollst etwas tun und hast keine Lust.
Du beginnst den Tag und weißt gar nicht, was Du tun sollst – alles, was Dir einfällt, löst Unlust bei Dir aus.
Jemand möchte etwas von Dir – bei Dir meldet sich Unlust.

Was sagt die Unlust? Ich will das nicht tun. Ich mag nicht. Ich will gar nichts tun. Ich will etwas anderes tun. Ich weiß gerade gar nicht, was ich tun will….

In unserer Gesellschaft hat die Unlust einen schlechten Ruf. Tritt sie auf den Plan, muss sie sofort bekämpft werden.

Eine besondere Hunderasse, die sog. Schweinehunde sind angeblich verantwortlich für die Unlust. Sie wohnen in Deinem Inneren und müssen jetzt verjagt werden, damit Du möglichst viel schaffst. Keiner verspricht, dass die Lust wieder auftaucht, wenn die Schweinehunde bekämpft wurden. Pflichterfüllung ist die Belohnung für ihr Verschwinden. Du tust, was Du tun sollst. Was Du Dir vorgenommen hast. Was gut für Dich wäre…..

Genügend Sport machen
Salat und Gemüse essen
Unerfreuliche Arbeiten erledigen
Aufräumen

Hand aufs Herz – hast Du schon mal einen Schweinehund bei Dir gesehen? Hast Du die Erfahrung gemacht, dass das Vertreiben von Schweinehunden Lust bei Dir auf den Plan ruft? Oder ist es nicht vielmehr so, dass hier das Lob der Disziplin und des Pflichtbewusstseins gesungen wird?

Vielleicht hat die Unlust ja gute Gründe da zu sein? Wer laut Durchhalte-Parolen schreit, will Dir die Unlust vor allen Dingen austreiben. Doch es lohnt sich, erstmal genau hinzuhören, was sie will und zu sagen hat: Die Unlust.

Es lohnt sich, die Unlust zu hören

Heute sagt eine Kundin, sie hat in der Reha erst gemerkt, dass sie im Grunde zwanzig Jahre zu viel gearbeitet hat und über ihre Grenzen gegangen ist. Vermutlich hat sie in all den Jahren ab und an keine Lust gehabt auf all die Dinge, die in ihrem Leben zu tun waren und erledigt werden sollten. Doch sie ist darüber hinweg gegangen. Sie hat Notwendigkeiten anerkannt, sich vermutlich irgendwann gar nicht mehr gefragt, ob sie Lust hat auf das, was sie da tut. Sie hat immer weiter gemacht. Bis es nicht mehr ging, weil ihr die Kraft fehlte.

Menschen, die ein Burnout erleben, haben meist eine lange Zeit hinter sich, in der es ihnen nicht gut ging, in der sie sich kraftlos und erschöpft, überdreht und überfordert gefühlt haben. Das Aufstehen war mühsam; die Fahrt zur Arbeit nur noch Pflicht. Doch gab es keine Erlaubnis anzuhalten und den inneren Stimmen zuzuhören, die nicht mehr weiter machen wollten. Zu groß der innere Druck; zu massiv der Antreiber; zu laut die Angst, was dann passiert.

Gewohnheiten, die ihren Sinn verloren haben; Vereins- und Gruppenzugehörigkeiten, die keine Freude mehr machen; Aufgaben, die suboptimal organisiert sind – halt Dinge, die nicht mehr passen und stimmen, zeigen sich durch die Unlust, die wir verspüren. Es lohnt sich also, die Unlust nicht sofort beiseite zu schieben, sondern sie zu hören und zu befragen, wenn sie sich meldet. Was will sie mir überhaupt sagen? Worauf habe ich keine Lust (mehr)? Unter welchen Umständen würde sich meine Lust wieder einstellen?

Was also tun, wenn sich Unlust meldet?

Es lohnt sich, ihr auf den Grund zu gehen. Wann taucht sie auf? Was sollst Du gerade tun? Welche Gefühle hast Du zu den Aufgaben, die vor Dir liegen? Welche guten Gründe hast Du, keine Lust zu haben?

Was sind gute Gründe?

  • Die Aufgabe ist zu schwer oder zu groß. Dir fehlen wichtige Informationen oder Fertigkeiten. Du fühlst Dich überfordert.
  • Es sind zu viele Aufgaben. Egal, was Du tun wirst – Du kannst nicht gewinnen, denn etwas anderes bleibt liegen.
  • Du weißt gar nicht so genau, was Du machen sollst. Dein Auftrag ist nicht klar. Du bist nicht sicher, ob Du das Richtige tust, wenn Du jetzt loslegst.
  • Du hast zu wenig Pausen gehabt, Du bist kaputt und müde. Dein Körper und Deine Seele schreien nach Ausruhen.
  • Du möchtest lieber etwas anderes tun. DAZU hättest Du Lust.

Deiner Unlust zuzuhören, heißt nicht, ihr automatisch nachzugeben. Es kann sehr gute Gründe geben, trotz Unlust joggen zu gehen oder eine Aufgabe zu erledigen, die Du Dir vorgenommen hast. Worum es geht, ist anzuerkennen, dass sich in der Unlust wichtige Bedürfnisse und innere Stimmen melden. Melden sie sich immer wieder, haben sie dazu einen guten Grund. Deiner Unlust zuzuhören, birgt die Chance, dass wichtige Bedürfnisse gehört werden:

  • Du machst erst eine Pause und gehst dann mit neuer Energie an das, was getan werden soll
  • Du stellst fest, dass Du etwas wirklich nicht mehr tun willst und suchst nach Möglichkeiten, die Aufgabe abzugeben, den Verein zu verlassen, Dich von jemandem zu trennen, der Dir nicht gut tut …
  • Du merkst, dass Du Unterstützung, Knowhow, innere Klärung usw. brauchst, BEVOR Du die anstehenden Aufgaben erledigen kannst.
  • Du merkst, dass die Unlust Dich davor warnt, dass Du gerade Deine Komfortzone verlässt und etwas Ungemütliches tust. Wenn die Belohnung am Ende stimmt, kann sich das Überwinden Deiner Unlust lohnen. Du triffst eine bewusste Entscheidung für diesen unbequemen Weg und erkennst Dich dafür an.
  • Du gehst auf die Suche nach Deiner LUST und siehst neue, kreativere Wege, Deine Leben zu leben.
Grafik: Fotolia #43245094 | Urheber: kobbecomics.de

2 Kommentare

  1. Liebe Astrid, liebe Leserinnen und Leser,

    ein schöner Blog, der das Thema gut auf den Punkt gebracht. Vielen Dank!
    Just gestern hatte ich Besuch von meinem ‚inneren Schweinehund‘. Ich nenne ihn übrigens mittlerweile meinen inneren Ratgeber (einer von vielen), weil er, wie Du schon schreibst, eine Botschaft für mich bereit hält. Als ich gestern diese Botschaft ERHÖREN durfte, ging es mir entschieden besser. Ich tat Dinge, auf die ich wirklich Lust hatte und vertraute darauf, DA? ALLES GUT IST!
    Und vorhin erledigte ich die unangenehme Aufgabe von gestern mit Leichtigkeit. Das war erstaunlich.
    Euch allen wünsche ich noch einen glücklichen Tag. Anne-Marie

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