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Das liebe Geld….

Geld ist immer das Ergebnis Deiner Überzeugungen, Entscheidungen, Gedanken und Gefühle über Geld

 

Wer sich selbständig macht, will schnell möglichst viel Geld verdienen – würden vermutlich die meisten annehmen. Faktisch ist das Verhältnis von Gründern und Gründerinnen zum Geld erheblich komplexer

Geld ist alles andere als etwas Nüchternes. Am Geld kleben Gefühle, Erinnerungen, Vorschriften, Glaubenssätze und Erwartungen, die uns meist nur undeutlich bewusst sind. Wir beklagen vielleicht unsere „Irrationalität“ im Umgang mit Geld, wenn wir uns Luxus-Käufe leisten, das Konto wieder mal überzogen ist oder wenn wir etwas unbedingt haben wollten und gekauft haben, was sich zuhause dann als Fehlkauf entpuppt. Doch nicht nur beim Geld ausgeben und Geld verwalten spielen Gefühle eine große Rolle, auch beim Geld verdienen. Je nachdem, welche Vorstellungen wir mit dem „Geld haben“ und „Geld bekommen“ verbinden, fällt es uns leicht oder schwer, es zu uns einzuladen.

Schließe für einen Moment die Augen und frage Dich, was Du mit dem Wort „reich“ verbindest. Sind Deine Assoziationen positiv? Verbindest Du Fülle und Vermögen mit diesem Begriff? Oder kommen negative Bilder von Gier, Egoismus und Einsamkeit? Und was denkst Du über Menschen, die viel Geld haben? Was ist überhaupt „viel“ in Deinen Augen? Wieviel Geld gestehst Du Dir zu? Wieviel darfst Du haben oder bekommen, ohne dass Du Angst bekommst?

Unsere Herkunft prägt, welchen Lebensstandard wir für angemessen halten – entweder wollen wir erreichen, was unsere Eltern oder andere für uns wichtige Vorbilder besaßen oder wir möchten darüber hinaus wachsen. Oder wir wählen ab, was wir erfahren haben, denn wir haben für negative Dinge aus unserer Vergangenheit das Geld oder das Streben nach Geld verantwortlich gemacht. Wir wollen frei sein von dem, was am Geld hing, und wählen auch das Geld haben ab.

In unserer Herkunftsfamilie haben wir noch vieles mehr gelernt: Wir haben gelernt, wie mit Geld gewirtschaftet und gehaushaltet wurde, wie großzügig Geld ausgegeben wurde, wofür Geld da war und wofür nicht. Wir haben Ideen entwickelt, wieviel Geld uns in der Welt zusteht, wieviel „unsereiner“ so hat. Wir gehörten entweder zu denen „in Frack und Zwirn“ oder wir gehörten zu den „Blaumännern“. Schichtzugehörigkeit ist nicht mehr so markant wie vor 100 Jahren, doch nichtsdestotrotz in unserem Umgang mit dem Geld noch wirksam. Auch wenn wir vielleicht manches abgelehnt haben von dem, was wir lernten, so war es uns doch Modell.

Was Du denkst, wird Wirklichkeit

Mit jedem Kauf, den wir tätigen, mit jeder Entscheidung für dieses oder jenes Honorar oder Gehalt zu arbeiten, verwirklichen wir auch unsere Vorstellungen vom Geld bekommen und Geld haben. Wer insgeheim davon überzeugt ist, nicht mit Geld umgehen zu können, wird sich dies stets aufs Neue beweisen, indem er oder sie zu viel Geld ausgibt und am Ende zu wenig hat. Wer glaubt, kein Geld verdienen zu können, sorgt dafür, dass es so ist. Wer denkt, dass andere für seine Versorgung zuständig sind, wird sich in Abhängigkeiten begeben und sich als unfähig erleben, den eigenen Unterhalt zu verdienen. Ohne den Zusammenhang zwischen unseren Glaubenssätzen und unserem täglichen Verhalten überhaupt zu bemerken, sorgen wir immer wieder dafür, dass sie wahr werden. Und beweisen uns immer wieder ihre Gültigkeit. Sieh, „unsereiner“ gehört eben doch zu den kleinen Leuten, das große Geld verdienen die anderen.

Geld und Gründung

Für wie kompetent wir uns im Umgang mit dem Geld halten, spielt eine wichtige Rolle, wenn es ans Gründen geht. Mit dem Geld verbunden ist auch unsere Idee von Unabhängigkeit und Selbständigkeit. Glauben wir, dass wir im Leben für uns selbst sorgen können? Haben wir die Erfahrung gemacht, dass wir unseren Lebensunterhalt selbst verdienen können? Ist Geld etwas, das leicht zu uns kommt oder muss es hart errungen werden? Wer aus einem gut bezahlten Job gründet, hat einiges zu verlieren. Wer aus der Arbeitslosigkeit gründet, hat viel zu gewinnen. Wer einen bestimmten Lebensstandard gewohnt ist und diesen in der Vergangenheit durch einen Job verdienen konnte, wird seine Gründung anders rechnen als der, der stets von der Hand in den Mund leben musste. Wer schon mal ein großes Gehalt bezogen hat, hat damit meist auch die Idee entwickelt, diese Summe Geld zu verdienen. Wieviel Geld wir bis jetzt bekommen haben, prägt unsere Vorstellung davon, wieviel uns zusteht, wieviel wir verlangen können vom Leben und von unseren Kunden.

Honorar, Preis und Wert

Das Geld, das wir uns selbst zubilligen, das bei uns als Lebensunterhalt ankommen soll, müssen wir nun unseren Kunden in Rechnung stellen. Ist aber das, was wir sind, was wir haben, was wir können es wert in unseren Augen? Auch wenn wir Preise und Honorare kalkulieren, fließt mehr in unsere Berechnungen ein als Beschaffungskosten und Vergleichspreise. Gefühle und Gedanken über uns sind die wirkliche Währung hinter dem von uns verlangten Preis: Ist unsere Dienstleistung wirklich so gut, dass wir „das“ verlangen können? Stehen wir nicht erst am Anfang und können nicht so viel verlangen wie die alten Hasen der Branche? Ist das, was wir anzubieten haben, es wirklich wert, gekauft zu werden? Der Preis der Ware oder Dienstleistung drückt aus, welchen Wert wir dem beimessen, was wir zu geben haben. Wer mit kleinen Preisen anfangen möchte, dem fehlt noch das Gefühl für den Wert des eigenen Angebots, der zweifelt, dass ein hoher Preis erzielbar ist. Zahlen Kunden den verlangten Preis bereitwillig, so wächst das Selbstbewusstsein und das Gefühl des „wert seins“.

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